Story 1- Germany

German Version

Ich bin mit meiner Oma aufgewachsen, aber meine Erinnerungen an sie sind geprägt von ihrer Krankheit. Sie hatte Demenz und wurde in ein Altersheim eingewiesen, als ich etwa drei Jahre alt war.

 Ich weiß nicht, wie sie vorher war, wie sie gelacht oder gesprochen hat. Meine Erinnerungen beginnen mit ihr im Pflegebett – still, bewegungslos, ihre Augen oft ins Leere gerichtet. Sie konnte nicht sprechen, nicht laufen. Ich habe sie trotzdem geliebt, auch wenn ich sie nie so kennenlernen konnte, wie sie wirklich war.

 Mein Vater hat sie jede Woche Sonntag besucht und ihre Blumen gegossen und ein wenig mit ihr gesprochen. Häufig sind ich und meine Schwester mitgekommen und haben über ihr Leben gesprochen. Wie sie sich verhalten hat, wie sie als Lehrerin war und über ihre Liebe fürs Klavier spielen. Meine Oma war einer der Gründe, warum Musik in meiner Familie so vertreten ist. Mein Opa spielte Geige, mein Vater ist Professor für Gitarre an der Universität Hamburg und heiratete meine Mutter, die ebenfalls mehrere Musik-Studiums absolvierte und Gitarre unterrichtet.

 Wenn ich an meine Oma denke, erinnere ich mich an die Momente wie wir an Heiligabend zu ihr gefahren sind und zusammen für sie musiziert haben. Auch wenn sie nicht sprechen konnte, konnte man sehen, wie glücklich sie war.

 Die Demenz hat uns viel genommen, aber nicht die Glücklichkeit. Trotz der Krankheit haben wir versucht ihrem Leben weitere schöne Momente zu bescheren, auch wenn diese nur in der Gegenwart bleiben. 

Als ich 14 war, starb meine Oma im Alter von 90 Jahren. Sie hatte über 10 Jahre gekämpft und konnte sich endlich ausruhen. 

Ich hoffe meine Geschichte kann ein Beispiel sein für den Umgang mit diesen Krankheiten, die den Menschen die Erinnerungen nehmen, aber uns nicht den Menschen.

 

English Version

I grew up with my grandma, but my memories of her are shaped by her illness. She had dementia and was admitted to a nursing home when I was about three years old.

 I don't know what she was like before, how she laughed or spoke. My memories begin with her in her nursing home bed - silent, motionless, her eyes often staring into space. She couldn't speak, couldn't walk. I loved her anyway, even though I never got to know her as she really was. 

My father visited her every Sunday, watered her flowers and talked to her a little. Me and my sister often came along and talked about her life. How she behaved, what she was like as a teacher and about her love of playing the piano. My grandma was one of the reasons why music is so present in my family. My grandfather played the violin, my father is a professor of guitar at the University of Hamburg and married my mother, who also studied music and taught guitar. 

When I think of my grandma, I remember the moments when we went to her house on Christmas Eve and played music for her together. Even though she couldn't speak, you could see how happy she was. 

Dementia has taken a lot from us, but not happiness. Despite the illness, we tried to give her more beautiful moments in life, even if they only remained in the present. 

When I was 14, my grandma died at the age of 90. She had fought for over 10 years and was finally able to rest. I hope my story can be an example of how to deal with these diseases that take away people's memories, but don't take away people.

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